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Stadt Krefeld - Kulturbüro Entomologische Sammlungen Archiv zur Entomologie am Niederrhein
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Entstehung
Entomologische Sammlungen und Archive entstehen ursächlich
durch das Studium heimischer Tierarten, ihrer Verbreitung und Lebensweise,
ihres Verhaltens und der Wechselbeziehungen zu ihrem belebten oder unbelebten
Umfeld. Sie sind das Lebenswerk der auf wissenschaftlicher Basis tätigen
Entomologen. In diesen Vergleichssammlungen werden die minutiös präparierten
und fachgerecht etikettierten Exemplare aufbewahrt. Der Aufbau solcher Einzelsammlungen
fand prinzipiell bei jedem Entomologen statt. Ein Bezugsraum ist hier in
der Regel die Region des Niederrheins und im Besonderen die nähere
Umgebung der Stadt Krefeld. Neben den eigentlichen Sammlungsbeständen
werden von den tätigen Bearbeitern oft Originaldokumente, Gerätschaften,
Karteien und Fachliteratur - teils mit handschriftlichen Kommentaren mit
übernommen und archiviert.
Der erste Anstoß zur Zusammenfassung und Bewahrung von Sammlungsbeständen
verschiedener Bearbeiter fällt in die Gründungszeit des Entomologischen
Vereins Krefeld und des ehemaligen Naturwissenschaftlichen Museums Krefeld.
Die Übernahme von Sammlungen und begleitenden Materialien erfolgte
i.d.R. als Schenkung oder testamentarisches Vermächtnis der Mitglieder
des Vereins an die Stadt Krefeld mit Auflagen über die fachgerechte
Bewahrung in Krefeld, die Zugänglichkeit und weitere Bearbeitungsmöglichkeit
durch die hier ansässigen Entomologen.
Funktion
Präparate von Insekten und anderen Arthropoden werden im Regelfall als Trockenpräparate hergestellt und sind bei fachgerechter Betreuung und optimaler Aufbewahrung nahezu unbegrenzt haltbar. Daneben werden auch in Alkohol konservierte Präparate geführt, um fragilere Teile, Innenstrukturen oder z.B. Entwicklungsstadien für die Zukunft zu erhalten.
Die Betreuung der umfangreichen Sammlungsbestände in
Krefeld erfolgt traditionell über das Engagement von Mitgliedern des
Entomologischen Vereins Krefeld.
Hierbei handelte es sich um folgende, qualifizierte Mitglieder des Entomologischen
Vereins Krefeld:
Vor dem Zweiten Weltkrieg bis 1943: Ernst Puhlmann (1864-1959)
Von 1943 bis 1958: Bruno Maixner (1902-1999)
Von 1958 bis 1987: Dr. Siegfried Cymorek (1927-1987)
Seit 1987: Dr. Martin Sorg.
Die Zuständigkeit der o.g. von den Aufgaben her als Kuratoren fungierenden Personen erfolgt über Verträge mit dem Kulturbüro (Kulturamt) Krefeld. In der derzeitigen Regelung - der letzten Jahrzehnte - existiert ein Minimaletat als Aufwandsentschädigung und zur Deckung diverser, laufender Kosten (Präparationsmittel, Büromaterial, Konservierungsstoffe, Porto etc.).
Der Leih- und Besucherverkehr zu diesen Sammlungen ist national
ebenso wie international. Jährlich werden zahlreiche Leihsendungen
zu Vergleichsexemplaren abgewickelt die überwiegend Entomologen, Museen,
Universitäten und Forschunbgseinrichtungen in Europa betreffen.
Die weit überwiegende Zahl der Anfragen bezieht sich auf Fachauskünfte
zur Entomologie, ferner Probleme der Artbestimmung und der Interpretation
von Sachverhalten in der Spannbreite von Schadinsekten bis hin
zu Natur- und Artenschutzfragen.
Besucher möchten i.d.R. einen größeren Bestand einsehen,
in den Sammlungen ihre Bearbeitungen vornehmen oder eine Vorauswahl für
spätere Arbeitsvorhaben treffen. Es handelt sich im Regelfall um systematische
Arbeitsthemen. Regelmäßig werden Teile der Sammlungen überarbeitet.
Die Sammlungsbestände werden - wie in der musealen Pflege üblich
- regelmäßig kontrolliert und ggf. behandelt, um einem Schädlingsbefall
vorzubeugen.
Bedeutung
Die Sammlungen sowie diese begleitende Originalaufzeichnungen
stellen das entomologische Lebenswerk der jeweiligen Personen dar. Sie sind
die maßgeblichen Quellen für jede weiterführende Bearbeitung
in nahezu jeder denkbaren Fragestellung. Insofern handelt es sich um unschätzbare
und unersetzbare Güter hinsichtlich ihres wissenschaftlichen wie kulturhistorischen
Wertes. Alle heutigen und künftigen Arbeiten verwenden diese Originale
als Datenbasis, als Fundament, um von hieraus in der Erkenntnis zu irgendeinem,
diese Tierarten betreffenden Thema einen Schritt weiter zu kommen.
Die Sammlungen enthalten u.a. zahlreiche Holotypen. Diese sind
die entscheidenden Belegstücke bei der Beschreibung neuer Tierarten.
Fachwissenschaftler aus aller Welt müssen diese Präparate als
erforderliches Vergleichsmaterial für jede weitere systematische Bearbeitung
einsehen.
Präzise etikettierte Präparate erlauben heute und künftig
einen Einblick in die ehemaligen Verbreitungsmuster, die Morphologie der
Arten, die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften, die Abhängigkeit
von Pflanzenarten und Biotopen, das Auftreten von Kalamitäten und die
Neueinbürgerung zugewanderter Arten. Für alle Fragestellungen
der speziellen wie angewandten Entomologie sind auf wissenschaftlicher Basis
geführte Sammlungen quasi lebende Systeme in denen über
die weitere Bearbeitung durch vorschriftsmäßige Etiketten und
Veröffentlichungen in Fachzeitschriften ständig neue Spuren
hinterlassen - und damit auch der Informationsinhalt der Sammlung - aktualisiert
und erweitert wird. Über Inhalte der entomologischen Sammlungen in
Krefeld ist bereits in vielen Hunderten von Veröffentlichungen Bezug
genommen worden. Zu einen Teil der Sammlungen wurde eigens eine Typenliste
veröffentlicht.
Entomologische Sammlungen sind in den kulturhistorischen
Werten vergleichbar zu Bibliotheken die nur handschriftliche Originale beinhalten.
Im Unterschied zu diesen können allerdings die Originale der entomologischen
Sammlungen nicht in ihrem Informationsgehalt reproduziert werden
- sie sind dreidimensional und besitzen feinste - nicht nur äußerliche
Strukturmerkmale. Dies wird auch in absehbarer Zukunft so sein, so daß
auch künftig ständig auf die Originalpräparate zurückgegriffen
werden muß. Diese müssen, um wissenschaftliche Fortschritte zu
ermöglichen erhalten und verfügbar gemacht werden.
Die Bedeutung der Sammlungen mit ihren vielfältigen Präparaten
und ihrem Artenreichtum ist in den letzten Jahrzehnten ständig gestiegen
und es ist absehbar, daß diese Tendenz anhält. Ursachen hierfür
sind mehrere neue, aufblühende Wissenschaftszweige. Hierzu zählt
die Biodiversitätsforschung und die Pflanzen- und Materialschutzforschung
u.a. im Bereich des Einsatzes natürlicher Gegenspieler (Parasiten)
von Schadinsekten. Ferner die Bioindikation, bei der bekannte - oder noch
unbekannte - Arten als Meßsysteme eingesetzt werden. Nicht
zuletzt die Bionik, d.h. die Ableitung neuer technischer Verfahren aus den
Bauanleitungen von Arten aus der Natur sowie die pharmazeutische
Naturstoffforschung. Darüber hinaus werden Rückgriffe
auf das Artenrepertoire zwischenzeitlich ausgestorbener Formen und immer
seltener gewordener Lebensgemeinschaften in zunehmendem Maße erforderlich
sein. Bereits jetzt enthalten die Sammlungen Hunderte von Belegexemplaren
lokal, innerhalb der letzten Jahrzehnte ausgestorbener Arten.
Aktuelle Situation und Perspektiven
In der Zeitspanne 1987 - 2005 wurden durch Vermächtnis weitere Insektensammlungen in diesen Bestand eingegliedert, darunter z.B. die Vergleichssammlung von Dr. Siegfried Cymorek sowie die Sammlung Bruno Maixner. Darüber hinaus bestehen weitere Vermächtnisse noch lebender Entomologen (z.B. Rolf Odendahl) und auch Vereinbarungen mit dem Entomologischen Verein Krefeld über den Verbleib von Materialien die sich derzeit noch im Besitz dieses Vereins befinden und gleichfalls aus mehreren Vermächtnissen stammen. Auch hierbei handelt es sich sowohl um alte Präparate (> 50 Jahre), als auch um jüngere Belege.
Hinsichtlich der Handhabung bestehen die Sammlungen aus vielen hundertausenden von Trockenpräparaten in Kästen, ferner als Alkoholpräparate (Glasröhrchen und PE-Flaschen). Eine zusammenfassende Aufstellung getrennt nach Sammlungsteilen und Präparatetypen hat den Umfang eines kleinen Buches.
Aufgrund der seit längeren Zeiträumen zu beengten
Raumsituation im Brempter Hof erfolgte ein Umzug in ein ehemaliges Schulgebäude
(Marktstraße 159) in Krefeld. Den Erfordernissen der fachgerechten
Unterbringung der Sammlungen in angemessen großen Räumlichkeiten
wurde hiermit Rechnung getragen.
Eine solcher Umzug und die damit einhergehende Herrichtung der Räumlichkeiten
wäre ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer des Entomologischen
Vereins Krefeld nicht darstellbar gewesen. Dies gilt auch für zahlreiche
Dauerleihgaben in Form von technischen Geräten, Mobiliar, Insektenkästen
und Schränke, verschiedenste Ausstellungsexponate etc., welche von
Seiten des Vereins und einzelner Mitglieder kostenlos zur Verfügung
gestellt wurden.
In der jetzigen Situation bieten sich zudem Möglichkeiten, ausgewählte Teile des Archives in Form von Ausstellungen im Flurbereich sowie einem Mehrzweckraum zu installieren. Ferner wird der Mehrzweckraum künftig auch für Fortbildungszwecke verwendet. Nutzungsziele sind hierbei spezialisierte Seminare und Praktika zur allgemeinen und angewandten Entomologie sowie Kursangebote für Schulen zur praxisnahen Bereicherung des Biologieunterrichtes. Hierbei wird der unschätzbare Vorteil verfügbarer, umfassender Beleg- und Vergleichssammlungen sinnvoll für diese zusätzlichen Zwecke eingesetzt.
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